Der „Halve Hahn“ – kein Huhn, kein Witz, sondern kölsche Wahrheit


Wer in Köln einen „Halve Hahn“ bestellt und dabei an knusprige Hähnchenschenkel denkt, hat zwar Hunger – aber keine Ahnung. Statt Geflügel mit goldbrauner Haut landet ein halbes Roggenbrötchen auf dem Teller, belegt mit einer ordentlichen Scheibe mittelaltem Gouda. Dazu Zwiebeln, Senf und – für die ganz Mutigen – eine Gewürzgurke. Was aussieht wie ein Pausensnack von 1963, ist in Wirklichkeit Kult, Tradition und ein bisschen Comedy auf dem Teller.

Der Name? Ein kölscher Kalauer mit Biss. Die beliebteste Legende führt ins Jahr 1877, wo ein Scherz im Brauhaus zur Geburtsstunde des „Hahns“ wurde: Ein Kölner Jubilar wollte seine Gäste auf die falsche Fährte locken und servierte statt Hähnchen einfach Käsebrötchen – die Überraschung war groß, die Lacher laut, und der „Halve Hahn“ war geboren.

Oder war’s doch der nuschelige Gast, der nur „ne halve han“ wollte – und vom Kellner in ewiger Dankbarkeit auf der Speisekarte verewigt wurde? Oder war's einst gar ein Brötchen mit Handkäse, das sich später zum Gouda bekehrte? Man weiß es nicht. Man ist sich nur in einem Punkt einig: Mit Huhn hat das Ganze ungefähr so viel zu tun wie Karneval mit Karotten.

Heute ist der „Halve Hahn“ mehr als ein Snack – er ist ein Statement. Eine kulinarische Pointe mit Käse. Wer ihn bestellt, zeigt: Ich bin kein Tourist. Ich bin angekommen. In Köln. Im Brauhaus. Im Leben.

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