Ferdinand Franz Wallraf – der Name klingt wie aus einem Abenteuerroman, und ein bisschen war sein Leben das auch. Geboren 1748 in Köln, Sohn eines Schneiders, hätte man meinen können, er würde ein ruhiges, bürgerliches Leben führen. Doch Ferdinand hatte anderes im Sinn: Er wurde Priester, Professor, Botaniker, Mathematiker, Kunstretter, Stadtpatriot – kurz: ein echtes Multitalent im Talar. Kein Wunder also, dass man ihn später liebevoll den „Kölner Erzbürger“ nannte.
Anfangs studierte er brav Theologie an der altehrwürdigen Universität Köln, doch das reichte ihm nicht – auch die Naturwissenschaften, vor allem Botanik und Mathematik, hatten es ihm angetan. Er war so etwas wie der nerdige Lieblingsprofessor der Stadt, der nicht nur über Zahlen und Pflanzen dozierte, sondern auch über die Schönheit des römischen Kölns schwärmte. Als Kanoniker an St. Maria im Kapitol hatte er einen gewissen Einfluss – und nutzte dieser konsequent zum Wohle der Wissenschaft und der Kunst.
Wallraf war nicht nur ein kluger Kopf, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler. Aber nicht irgendein Sammler, der sich mit ein paar Briefmarken zufriedengab – nein, Wallraf wollte retten, was zu retten war. Als die französische Besatzungsmacht ab 1794 begann, Kirchen zu plündern und Klöster aufzulösen, war er zur Stelle. Während andere Kunstwerke verkauften oder verschrotteten, packte Ferdinand sie liebevoll ein und nahm sie mit – nicht heimlich, sondern heldenhaft. So baute er Stück für Stück eine der größten Kunst- und Antiquitätensammlungen seiner Zeit auf. Bücher, Gemälde, Skulpturen, mittelalterliche Handschriften, Reliquien – sein Haus muss ausgesehen haben wie ein Flohmarkt der Weltgeschichte.
Doch damit nicht genug. Als die Universität Köln 1798 geschlossen wurde, war Wallraf untröstlich. Er versuchte alles, sie wiederzubeleben – was leider erst lange nach seinem Tod gelang. Trotzdem gab er nicht auf: Er schrieb, sammelte, lehrte, katalogisierte – und führte nebenbei botanische Erhebungen rund um Köln durch. Wer heute durch die Flora spaziert, begegnet gewissermaßen noch seinen Spuren.
Sein vielleicht größter Coup: Er vermachte der Stadt Köln seine gesamte Sammlung – und die war riesig. Ohne Wallraf gäbe es heute weder das Wallraf-Richartz-Museum, noch viele der historischen Kunstschätze Kölns. In seinem Testament stand sinngemäß: „Ich hab' euch das alles zusammengesammelt – jetzt passt gut drauf auf!“ Und das tat die Stadt, sogar mit einem Denkmal.
Fazit: Ferdinand Franz Wallraf war nicht nur ein Mann mit vielen Talenten, sondern auch mit einem riesigen Herzen für seine Stadt. Köln ohne Wallraf? Undenkbar. Ein Erzbürger mit Esprit, einem messerscharfen Verstand und einem feinen Sinn für das Schöne – und ein bisschen ein Museum auf zwei Beinen.

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