Das Pestkreuz in der romanischen Kirche St. Georg könnte glatt als das „Original des schmerzvollen Ausdrucks“ durchgehen, und das ganz ohne Photoshop. Es handelt sich um ein Gabelkruzifix aus dem späten 14. Jahrhundert, das die Darstellung des gekreuzigten Christus auf eine ganz neue Ebene hebt. Hier ist nicht nur der Körper des Heilands gebeugt, sondern auch die Arme weit ausgespreizt, als würde er verzweifelt nach einem Notruf suchen. Die Finger sind so gespreizt, dass sie fast ein „Oh, mein Gott“ ausstrahlen, und das Gesicht? Nun, das ist ein echtes Meisterwerk des Schmerzes.
Obwohl das Kruzifix vor den großen Pestwellen entstanden ist, hat es im Laufe der Zeit den Namen „Pestkreuz“ bekommen. In der Volksfrömmigkeit war das Teil die Anlaufstelle, wenn Krankheit und Seuchen über das Land zogen – schließlich kann man sich kaum einen besseren Heiland vorstellen, der so mitleidig aussieht, dass man fast glaubt, er könnte einem das Leiden abnehmen. Vielleicht war es der dramatische Ausdruck, der die Menschen ansprach – wer weiß?
Heute hängt das Kreuz im Westbau der Kirche und zieht mit seinem mystischen Charme die Blicke auf sich. Wer also das nächste Mal in Köln vorbeikommt, sollte einen Blick auf das Kreuz werfen. Vielleicht hilft es ja bei mehr als nur spirituellen Fragen – bei einem dramatischen Anfall von „Warum läuft alles schief?“.

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