Blutbrunnen der heiligen Ursula


Ah, der Blutbrunnen! Ein echtes Schmuckstück aus der Welt der mittelalterlichen Religiösität, die oft genauso mysteriös wie ein spannender Krimi daherkommt. Ursprünglich aus dem Benediktinerinnenkloster „Zu den heiligen Machabäern“, einem Ort, der mehr Heiligenverehrung und Geheimnisse zu bieten hatte als jede Netflix-Serie, wurde dieser Brunnen zu Beginn des 16. Jahrhunderts gefertigt. Heute prangt er in der Vorhalle von St. Andreas – fast wie ein antikes Instagram-Foto, das auf das heutige Kirchen-Design wirkt, als wäre es aus einer anderen Zeit entflohen.

Das achteckige Meisterwerk, knapp 1,35 Meter hoch, ist kein gewöhnlicher Brunnen, sondern ein Reliquiar – also ein Behälter für das „Besondere“. In diesem Fall soll er das Blut der elftausend Jungfrauen aus dem Gefolge der heiligen Ursula enthalten. Ja, richtig gehört – elftausend! Der Brunnen ist mit filigranem Blendmaßwerk verziert, als hätte ein Designer der damaligen Zeit entschieden, er könnte ja auch noch ein bisschen Zierde reinbringen, wenn man schon dabei ist, ein Heiligtum zu bauen. Und dann gibt es da noch den Deckel mit Öffnung – wohl als Geheimtür zu einem mittelalterlichen Mysterium, das bis heute viele Fragen aufwirft.

Dieses Reliquiar war nicht nur dekorativ, sondern auch tief verbunden mit dem mittelalterlichen Jungfrauenkult, der so intensiv gepflegt wurde, dass man fast meinen könnte, die heiligen Jungfrauen wären die Rockstars ihrer Zeit – mit einem richtigen Fanclub im Kloster. Der Humanist und Förderer humanistisch geprägter Frömmigkeit Helias Mertz, der wohl auch ein bisschen für „spirituelle Promotion“ zuständig war, ließ sowohl diesen Brunnen als auch den Machabäerschrein 1520 bis 1527 anfertigen – und das war keineswegs eine kleine Sache.

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