Es war einmal – irgendwo im frühen Mittelalter – ein kleines, aber geschäftiges Dörfchen am rechten Rheinufer, das irgendwann den klangvollen Namen Mulenheym bekam. Warum? Weil da Mühlen klapperten, was sonst! Die erste schriftliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1098 – man kann also sagen: Mülheim ist älter als viele Adelige, aber jünger als die erste Delle in einem Kölner Pflasterstein.
Dank seiner günstigen Lage direkt gegenüber von Köln (ja, da, wo man rüberschielt), wurde das Dörfchen schnell zur Handelsstation mit Aussicht. Im Jahr 1322 dachte sich dann ein gewisser Erzbischof Heinrich II. von Virneburg: „Ach, gebt den Mülheimern doch mal Stadtrechte – die machen das schon.“ Und so ward Mülheim zur Stadt. Die Freude war groß, schließlich bedeutete das mehr Rechte, mehr Markttage und weniger Geknechtetwerden.
Klar, ganz ohne Drama ging’s nicht. Kriege, Brände, Hochwasser – Mülheim musste einiges aushalten. Doch der Mülheimer Geist ist zäh. Und spätestens mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert lief der Laden wie geschmiert. Fabriken sprossen, Maschinen ratterten, und die Menschen strömten herbei. Aus einem verschlafenen Örtchen wurde ein wuseliger Industriestandort mit Stolz und Dampf.
Und als wäre das noch nicht genug Glanz auf der Mühle, wurde Mülheim 1816 auch noch zur Kreisstadt ernannt. Jawohl – plötzlich war man Chef im Ring, zuständig für Verwaltung, Ordnung und das große Ganze im Umkreis. Da wuchs das Selbstbewusstsein natürlich wie ein Hefeteig. Man war wichtig. Punkt.
Doch dann kam der 1. April 1914. Und nein, das war leider kein Aprilscherz. Mülheim wurde gegen den Willen vieler Bürger von Köln „geschluckt“. Eingemeindung nennt man das im Behördendeutsch – Zwangsheirat im Volksmund. Köln wollte wachsen, Mülheim sollte mit. Aus der stolzen Stadt wurde ein Stadtteil. Die Mülheimer waren wenig begeistert, und manche sind es bis heute nicht.
Aber Mülheim blieb Mülheim – mit Herz, eigenem Charakter und einer Prise Sturheit. Heute ist es ein quirliger, bunter Teil Kölns – auf der „Schäl Sick“, also der „falschen“ Rheinseite, wie die Kölner sagen. Doch wer genauer hinschaut, weiß: So falsch ist diese Seite gar nicht. Im Gegenteil – sie hat Geschichte, Stolz und Humor.

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